Freistehen in Skandinavien – wo ist Wildcamping erlaubt?

Freistehen in Skandinavien – wo ist Wildcamping erlaubt?

26. März 2021 Vanlife 0

 

Da anhalten wo es schön ist und die Nacht verbringen – was in den meisten europäischen Ländern nicht erlaubt ist, ist in Skandinavien legal. Freistehen ist in den nordischen Ländern fast überall erlaubt. Ob direkt am Meer, in den Bergen oder mitten im Wald – in Skandinavien darf man mit Zelt und sogar mit dem Van meistens campen, wo man möchte.

Ein paar Dinge gibt es beim Wildcampen in Skandinavien aber doch zu beachten. Worauf Du achten solltest, wenn Du das nächste Mal mit Van oder Zelt in Skandinavien unterwegs bist und campen willst, habe ich Dir hier zusammengefasst.

 

Die Geschichte des Wildcampen

 

Die nordischen Länder sind unvergleichlich, wenn es um die Mischung aus unberührter Natur und schönen, kleinen Städten geht. Es gibt tiefe Wälder und Straßen, auf denen Dir manchmal stundenlang niemand entgegen kommt, außer vielleicht ein paar Rentieren. Die Natur in Skandinavien ist vielfältig und unglaublich weitläufig. Das lieben nicht nur Touristen aus dem Ausland, sondern auch die Skandinavier selbst. Weil sie der Ansicht sind, dass das Land – im Gegensatz zu den USA – nicht einer Person, sondern allen gehört, gibt es deshalb das sogenannte „allemansrätt“ (Schweden), „allemannsretten“ (Norwegen) oder „Jokamiehen Oikeudet“ (Finnland). Auf Deutsch übersetzt bedeuten alle Gesetze soviel wie „Jedermannsrecht“.

Das Jedermannsrecht gilt schon seit Jahrhunderten in den skandinavischen Ländern, in Schweden wurde es aber erst 1994 im Grundgesetz schriftlich festgehalten. In Norwegen gilt das Gesetz übrigens schon seit 1957 offiziell. Das Jedermannsrecht besagt, dass Du dich überall in der Natur frei bewegen darfst, solange Du die Natur mit Respekt behandelst.

Die Regeln des Jedermannsrechts sind einfach. Sei rücksichtsvoll und umsichtig. Führe der Natur keinen Schaden zu und hinterlasse alle Orte so wie du sie vorgefunden hast, oder besser.

Durch das Jedermannsrecht ist es in den skandinavischen Ländern auch erlaubt, wild zu campen. Das Wildcampen ist nur durch lokale Verbote (gekennzeichnet durch Schilder) eingeschränkt. Außerdem solltest du darauf achten, einen Mindestabstand von 150 Metern zum nächsten Haus, bzw. zur nächsten bewohnten Hütte einzuhalten. Freicampen bedeutet auch, dass Du maximal zwei Nächte an derselben Stelle bleiben darfst.

Ganz wichtig dabei: Offiziell gilt das Jedermannsrecht nur für nichtmotorisierte Reisende! Wenn Du also mit einem Camper unterwegs bist, kann es sein, dass Du trotzdem von einem Platz weggeschickt wirst. Allerdings wird man an den meisten Plätzen auch mit Van geduldet.

 

Wie ist die Lage in Norwegen?

 

In Norwegen heißt das Jedermannsrecht, das auch das Freicampen regelt, „allemannsretten“. Es ist seit 1957 teil des norwegischen Gesetzes über das Leben im Freien. Offiziell gilt das Jedermannsrecht für die offene Natur – das heißt für alles Land, das nicht eingezäunt ist.

Wenn Du also in Norwegen Freistehen möchtest, solltest Du darauf achten, nicht auf privatem Land zu stehen. Schwierig sollte das aber nicht sein – in Norwegen darfst du in den meisten Ufer- und Küstenbereichen, in Moorland, Wäldern und Bergen freicampen. Eine wichtige Ausnahme: kleine Inseln mit nicht bewirtschaftetem Land inmitten von bewirtschaftetem Land gelten NICHT als offene Natur!

Übrigens: die Regel „eingezäuntes Land“ muss oft eher symbolisch verstanden werden, denn natürlich ist nicht alles bewirtschaftete Land in Norwegen eingezäunt. Wichtig ist vor allem, dass du nicht auf Äckern, Feldern und Wiesen und auf offensichtlich als solche erkennbaren Privatgrundstücken campst. Im Zweifel fragst Du den Grundbesitzer um Erlaubnis.

 

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Foto: Carolin Johannsen

 

Was darf man in Schweden?

 

Schweden ist das typische Land, wenn es um draußen sein in der Natur und campen geht. Hier gilt, wie in Norwegen, das Jedermannsrecht, hier unter dem Namen „allemansrätt“.

Wenn Du in Schweden in der freien Natur campen möchtest, egal ob mit Zelt oder Van, solltest Du folgendes beachten:

  1. Dein Stellplatz oder Zeltplatz sollte nicht in der Nähe von Häusern, Ackerland oder Weideland sein.
  2. Wenn Du in einer größeren Gruppe wildcampen möchtest, frag den Grundbesitzer um Erlaubnis.
  3. Schau dir Infotafeln an – in Nationalparks und Naturschutzgebieten gibt es oft Verbote oder Einschränkungen beim Campen.
  4. Sei respektvoll zu der Natur und lass sie so zurück, wie Du sie vorgefunden hast. Das bedeutet zum Beispiel auch: Klopapier vergraben und Müll mitnehmen!

Übrigens ist in Schweden durch das Jedermannsrecht auch geregelt, dass Du Pilze, Beeren und Nüsse sammeln darfst – für Deinen eigenen Bedarf. Auch Blumen pflücken ist erlaubt. Natürlich nur, solange die Arten nicht geschützt sind.

 

Was sind die Regeln in Finnland?

 

Auch Finnland eignet sich wunderbar für das Campen in freier Natur, denn hier gilt ebenfalls das Jedermannsrecht. Das bedeutet, dass jeder, der in Finnland lebt, oder durch Finnland reist, das Recht hat, in der Natur zu sein. Du darfst dort frei wandern, Beeren und Pilze sammeln und Angeln.

In Finnland sind 75 Prozent der Landfläche mit Wald bedeckt und es gibt dort über 188 000 Seen. Du wirst also auch sicher einen wunderschönen Zeltplatz oder Stellplatz dort finden!

In den finnischen Nationalparks musst Du Dich allerdings vorher erst informieren, ob du dort auch freicampen darfst. Ansonsten gibt es oft Campingplätze oder Wildnishütten.

Grundsätzlich gilt beim Freicampen in Finnland: Du darfst die Natur überall nutzen, solange Du die Privatsphäre und Rechte anderer beachtest. Das bedeutet, dass Du nicht zu nah an Häusern und natürlich nicht in Privatgärten Campen darfst. Genauso solltest Du darauf achten, Lärm zu vermeiden und keine Tiere zu stören. Das wichtigste ist aber: Hinterlasse keine Spuren deines Aufenthaltes an Deinem Stellplatz!

Ganz wichtig ist außerdem, was aber auch für die anderen skandinavischen Länder gilt: bei Trockenheit und Waldbrandgefahr sind Lagerfeuer verboten. Insbesondere im Sommer solltest Du darauf achten.

Übrigens: Solltest Du Dir unsicher sein, ob Du an einem Ort campen darfst, frag einen Finnen, den Du triffst. Die Finnen sind sympathische Menschen und unterhalten sich gerne über die Natur!

 

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Foto: Carolin Johannsen

 

Was ist in Dänemark erlaubt?

 

Dänemark ist in Skandinavien die Ausnahme, wenn es um freicampen geht, denn hier gibt es kein historisch entstandenes Jedermannsrecht! Geduldet wird Freicampen meistens trotzdem – allerdings nur bei unmotorisierten Campern. Wenn Du also mit dem Camper oder Wohnmobil unterwegs bist, solltest Du dich an offizielle Campingplätze halten, um nicht mit einer Geldstrafe rechnen zu müssen. Eine Grauzone sind Parkplätze und Raststätten. Wenn es nicht ausdrücklich verboten ist, dort zu campen, kannst Du dort übernachten, aber maximal eine Nacht.

Wenn Du mit dem Zelt unterwegs bist, darfst Du nur eine Nacht an derselben Stelle und außer Sichtweite von Wohngebäuden, Campingplätzen und Straßen übernachten. Das Dänische Amt für Naturverwaltung hat auch eine Übersicht, wo Du mit dem Zelt in staatlichen Naturgebieten übernachten darfst.

Ein paar Campingtipps

  1. Wenn Du mit dem Van unterwegs bist, schau Dir am besten auf Google Maps mit der Satellit-Ansicht die Umgebung an. So bekommst Du ein Bild davon, wo Grundstücke sind und wo Du mit großer Wahrscheinlichkeit campen kannst. Mit der Zeit wirst Du sicher ein Gespür dafür entwickeln, wo Du campen kannst und wo nicht.
  2. Oft ist es möglich, an Aussichtspunkten oder Wanderparkplätzen zu übernachten.
  3. Die Apps „Norcamp – Camping in Skandinavien App” oder “Stellplatz Scandinavia“ helfen bei der Stellplatzsuche, wenn Du Dir sicher sein möchtest und auf einem offiziellen Stellplatz bleiben möchtest.


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