Wie mache ich meinen Camper autark?

Wie mache ich meinen Camper autark?

17. Mai 2021 Vanlife 0
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Einer der schönsten Aspekte beim Leben im Camper ist das Freiheitsgefühl – völlig autark zu sein. Hinzufahren, wohin du möchtest, da stehen zu bleiben, wo es dir gefällt und vor allem, so lange du magst, denn „Home is where you park it“.

Doch gerade dann kann es umso störender sein, wenn du dich ständig nach Campingplätzen oder anderen Versorgungsmöglichkeiten umsehen musst, um zum Beispiel deine Toilette zu leeren oder dich an eine Stromversorgung anzuschließen.

Die Lösung hierfür ist ebenso simpel wie aufwändig: Mach deinen Camper autark! Worauf du hierbei achten musst und was es zu bedenken gibt, haben wir für dich recherchiert.

 

Was brauchst du zum autarken Leben?

 

Um herauszufinden, wie du deinen Camper autark machst, überlegen wir vorab, was du überhaupt notwendigerweise zum Leben brauchst. Wir wollen uns in diesem Artikel auf vier Dinge beschränken, bei denen es Sinn macht, gut versorgt zu sein, sodass du möglichst lange autark stehen kannst: Wasser, Toilette, Strom und Gas. 

 

Wasser

 

Wir brauchen Wasser zum Kochen, Waschen, Spülen, Trinken und für vieles mehr. Ohne Wasser kommen wir im Alltag nicht aus, daher wollen wir uns als erstes um die Wasserversorgung kümmern. 

 

Wasserverbrauch

Versuche zunächst einmal, deinen Wasserverbrauch so weit wie möglich herunterzufahren. Muss es wirklich die Dusche sein oder reicht es nicht auch, sich einfach mit einem Waschlappen zu waschen? Kannst du das übrige Kochwasser vielleicht noch weiterverwenden?

Und das Frühstücksbrett lässt sich doch sicher auch noch fürs Abendbrot benutzen, um weniger Abwasch zu haben. Spülen oder Körperpflege* geht außerdem mit umweltverträglichen Produkten* auch mal im See oder im Fluss.

Gleichzeitig bekommst du so keine Probleme mit einem vollen Abwassertank, da du weniger verbrauchst.

 

Wasservorrat

 

Es ist grundsätzlich von Vorteil, einen entsprechend großen Vorrat an Brauchwasser mit an Bord zu haben, wenn du planst eine Weile ohne Versorgung auszukommen. Hierfür eignet sich zum einen dein Wassertank, der im besten Fall schon viele Liter fasst.

Zum anderen kannst du auch noch zusätzlich Kanister oder Wassersäcke* mit Frischwasser füllen und mitnehmen, um damit den Wassertank wieder aufzufüllen, wenn er leer ist. 

Zum Trinken kannst du dir im Supermarkt einen Vorrat besorgen oder du greifst auf einen Wasserfilter* zurück.

Auf dem Markt findest du mittlerweile spezielle Wasserfilter, die entweder direkt beim Befüllen am Schlauch* installiert werden können oder nach dem Wassertank*. Diese filtern schädliche Stoffe wie Chlor, Keime und Bakterien aus dem Wasser, sodass du frisches Trinkwasser direkt aus dem Hahn trinken kannst.

Die Auswahl reicht hier übrigens von Aktivkohlefiltern* über Keramikfilter* bis hin zu UV-Filtern* und noch einigen mehr.

Diese können auch sinnvoll sein, wenn du dein Wasser einmal aus einer Quelle oder einem Brunnen beziehen möchtest. Mit dem Filter kannst du es reinigen und für dich brauchbar machen.

 

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Wasseraufbereitungsanlage

 

Völlig unabhängig bist du mit einer Wasseraufbereitungsanlage*, da du dich weder um frisches Trinkwasser, noch um die Entsorgung deines Abwassers kümmern musst. Diese Anlage macht aus deinem Grauwasser mithilfe eines speziellen Filtersystems wieder Trinkwasser, sodass du dein verbrauchtes Wasser erneut nutzen kannst.

 

Toilette

 

Auch um die Toilette kommen wir nicht herum, wenn wir uns nicht ausschließlich im Freien erleichtern wollen. Welche Alternativen haben wir zur Auswahl?

 

Chemietoilette

 

Die altbekannte Chemietoilette ist die wohl denkbar schlechteste Alternative, wenn du planst, autark zu stehen. Meist ist diese nämlich schneller voll, als man denkt und schon muss man sich wieder nach einer geeigneten Entsorgungsmöglichkeit umsehen. Manche haben für diesen Fall eine zweite Toilettenkassette mit dabei, behalte hierbei jedoch dein Zuladungsgewicht im Auge.

Es kann lediglich helfen, mit weniger Wasser zu spülen und das Toilettenpapier separat zu entsorgen, um Volumen einzusparen und weniger oft leeren zu müssen.

 

Trockentrenntoilette

 

Lange Zeit autark bist du hingegen mit einer Trockentrenntoilette*. Bei dieser hast du einen Kanister für den Urin in einen Eimer für die Feststoffe. Gespült wird nicht, denn wie die Bezeichnung schon verrät, kommt diese Toilette ganz ohne Wasser aus.

Im Urinkanister reicht etwas Essig gegen Urinstein oder Geruch und im Feststofftank bedeckt man seine Hinterlassenschaften ganz einfach mit Kleintierstreu oder ähnlichem. Sammelst du dein Toilettenpapier nun noch separat in einem kleinen WC-Eimer, hast du lange Zeit Ruhe.

Und zum Ausleeren benötigst du nun nur einen Mülleimer und eine normale Toilette für den Urin.

Es gibt Trockentrenntoiletten sowohl als Bausatz* als auch als fertige Toilette* zu kaufen, Anleitungen findest du zahlreich im Internet.

 

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Verbrennungstoilette

 

Nicht unerwähnt lassen wollen wir auch die Verbrennungstoiletten. Bei dieser Art von Klo werden die Ausscheidungsprodukte in einer geschlossenen Brennkammer mit Hilfe von Strom oder Gas vollständig verbrannt. Die Aschemenge beträgt bei einer einwöchigen Nutzung von vier Personen lediglich eine Tasse und kann zum Beispiel als Dünger für den Garten weiterverwendet werden.

Nachteil an dieser Möglichkeit sind jedoch die hohen Anschaffungskosten von ca. 4.000 €.

 

Strom

 

Als Nächstes kümmern wir uns um die Energieversorgung. Auch hier hast du verschiedene Möglichkeiten, zwischen denen du dich entscheiden kannst, abhängig von deinem Reiseziel und deinem Budget.

 

Wie viel verbrauchst du?

 

Um die passende Wahl für dich zu treffen, ist es von Vorteil, zunächst eine Analyse zu machen, wie viel Strom du benötigst. Welche Verbraucher hast du an Bord? Schreibe dir alle deine Verbraucher und deren Nutzungsdauer pro Tag auf und kalkuliere so, wie viele Wattstunden du pro Tag mindestens benötigst.

Gleichzeitig denk auch darüber nach, wo sich dein Stromverbrauch noch reduzieren lässt, indem du zum Beispiel deine Lampen mit stromsparenden LED-Birnen ausstattest oder dein Teewasser auf dem Gasherd statt im Wasserkocher erwärmst.

 

Batterie

 

Um genügend Strom aufzunehmen und zu speichern, benötigst du eine leistungsfähige Batterie. Hier hast du die Wahl zwischen Nassbatterien*, Gel-Batterien*, AGM-Batterien* und Lithium-Batterien*. Für welche du dich entscheidest, hängt sowohl von deinem Budget, als auch von deinem Verbrauch ab.

Nassbatterien haben zum Beispiel einen günstigen Preis, dahingegen halten Gel-Batterien länger. AGM-Batterien überzeugen mit ihrer Langlebigkeit und Lithium-Batterien werden als das Non-plus-ultra angesehen, wenn du hohe Anforderungen hast und sie täglich im Einsatz sein soll.

Zudem haben die Batterien ein sehr unterschiedliches Gewicht, welches du bei deiner Zuladung beachten solltest.

 

Solarenergie

 

Egal für welche Batterie du dich entschieden hast, sie muss in irgendeiner Form geladen werden. Am besten eignet sich hierfür Sonnenenergie in Form von Solarzellen. Diese kannst du entweder fest auf deinem Dach montieren oder aber in der portablen Version mit dir führen. Hierfür gibt es zum Beispiel sogenannte „Solar-Koffer“ oder faltbare Solarmodule*.

Die bewegbaren Varianten haben den ganz klaren Vorteil, dass du sie stets so aufstellen kannst, dass sie die meisten Sonnenstrahlen einfangen. Das ist vor allem in den Wintermonaten oder an sonnenarmen Tagen wichtig, da du so viel Sonnenlicht wie möglich einfangen kannst, um völlig autark zu sein.

Die fest montierten Module auf dem Dach sind hingegen nach oben ausgerichtet und haben so nicht immer den idealen Winkel zur Sonne.

 

Ladebooster

 

Um deine Batterie auch während der Fahrt zu laden, kann sich außerdem der Einbau eines Ladeboosters* lohnen. Dieser lädt die Batterie über die Lichtmaschine bei laufendem Motor und kann deinen Speicher bei jeder Fahrt wieder füllen.

Das gleiche tut übrigens auch ein sogenanntes Trennrelais.

 

Brennstoffzelle

 

Wenn du planst, hauptsächlich in sonnenarmen Regionen unterwegs zu sein und eine Stromversorgung mit Solar daher für dich nicht in Frage kommt, kann eine Brennstoffzelle deine Lösung zur Autarkie sein. Diese kann in jedem Wohnmobil verbaut werden und erzeugt elektrischen Strom durch die Verbindung von Sauerstoff und Methanol.

Als Abfallprodukt entweichen lediglich warme Luft und Wasserdampf mit Kohlenstoffdioxid. Das Methanol ist in Kanistern erhältlich und muss regelmäßig nachgefüllt werden, wodurch du mit laufenden Kosten zu rechnen hast, die jedoch überschaubar sind. Bei dieser Stromversorgung hast du zwar hohe Anschaffungskosten, bist jedoch vom Wetter vollkommen unabhängig.

 

Stromgenerator

 

Eine letzte Möglichkeit, die allerdings weder besonders umweltfreundlich noch geräuscharm daherkommt, ist ein Stromgenerator*. Dieser wird mit Benzin betrieben und kann im Camper mitgeführt werden. Wenn du ihn angeschaltet hast, läuft sein Motor und produziert gleichermaßen Energie wie Abgase. Allenfalls eine Notlösung für sonnenarme Tage.

 

Was du außerdem noch brauchst.

 

Deine Bordbatterie hat eine 12-Volt-Spannung und ist somit nicht dafür ausgelegt, Geräte wie zum Beispiel einen Föhn oder einen Wasserkocher zu betreiben. Daher solltest du über den Einbau eines Wechselrichters nachdenken, der die 12-Volt-Spannung der Batterie in 230 Volt umwandeln kann, damit du alle deine Geräte nutzen kannst. 

 

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Gas

 

Um stets mit Gas versorgt zu sein, empfiehlt es sich, mehr als eine Flasche dabei zu haben. Auch hier kommt es darauf an, wie groß dein Verbrauch ist. Hast du einen Absorberkühlschrank, der mit Gas versorgt werden muss? Kochst du viel und oft?

Läuft deine Heizung regelmäßig? Versuche auch in diesem Bereich deinen Verbrauch einzuschränken, indem du den Kühlschrank nicht auf höchste Stufe stellst und lieber einen Pullover überziehst, statt die Heizung hochzudrehen. Vielleicht kannst du sogar deine Isolierung noch optimieren, um die Wärme an kalten Tage länger im Innenraum zu halten. So kommst du mit deinem Gasvorrat länger aus.

Tipp: Ein paar Kerzen im Wohnmobil verteilt verbreiten wohlige Wärme, so dass du weniger heizen musst.

 

Du hast die passende Lösung für deinen Weg zum autarken Camper gefunden? Dann viel Erfolg beim Ausbau! Es warten viele Momente irgendwo im Nirgendwo auf dich, in denen du dir keine Gedanken um deine Versorgung machen brauchst, sondern das Jetzt genießen kannst.

Viel Spaß dabei und genieße das Gefühl von Freiheit und autark zu sein in vollen Zügen!

 

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