Überwintern in Portugal

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18 Grad an Weihnachten. Endlos, einsame Strände. Kühle Nächte und eine Sonne, die jeden Tag aufs Neue dazu einlädt, dieses Land zu erkunden. 

Dazu Menschen, die zwar viel weniger besitzen als wir Deutsche, aber so viel zu geben haben. Das ist Portugal, ein Land zwischen heute und damals. Ein toller Ort mit dem Wohnmobil zu überwintern.

Die Entscheidung mal dem Winter in Deutschland zu entfliehen ist unglaublich verlockend. Gerade als mobiler Mensch, als Wohnmobiler und Reisender scheinen hier die Wege und Straßen endlos und wunderbar verwunden und überraschend. Mal mystisch, einsam und leer, aber auch pulsierend und aufregend in den großen Städten.

Anfahrt nach Portugal

Über Frankreich und Spanien erreichst du das schöne Land. Die Maut in Frankreich ist saftig, aber es gibt genug Maut-freie Strecken an die südliche Atlantikküste. Zudem ist das Reisen durch die unendlich vielen kleinen französischen Dörfer eine Augenweide. 

Unser Tipp: Wenn du schon überwinterst, dann genieß die Reise zu deinem Ziel. 

An der Atlantikküste angelangt, empfiehlt es sich jedoch, ein kurzes Stück Maut zu fahren. Zwischen Saint-Jean-de-Luz in Frankreich und Irun im Norden Spaniens haben solltest du das kleine Stück Autobahn benutzen. Die Strecke über Land, über die Grenze, ist irre voll und sehr anstrengend zu fahren. 

Camper fährt auf einer Straße durch den Wald

In Spanien angekommen solltest du den Tank deines Fahrzeugs nochmal aufzufüllen. Die Tankstellen in orange/gelb haben immer den besten Preis. In Irun findest du drei dieser „leichten“ Zapfstellen. 

Quer durch Spanien (mautfrei: Vitoria-Gasteiz-Burgos-Valladolid-Salamaca) ist zwar die schnellste Möglichkeit, aber der Norden Spanien ist im Herbst noch warm und schön. 

Die gesamte Küste bietet dir unendliche Vielfalt, Strände zum surfen und Pfade zum wandern. Wo sich sonst die Einheimischen stapeln, herrscht nun Ruhe und Einsamkeit. 

Das Baskenland ist rau wie seine Bewohner, Asturien ist ein Wanderparadies und Galizien für Surfer ein Muss. 

Portugal vom Norden

Wenn du über die Grenze bei Gerres nach Portugal kommst, erreichst du sofort den gleichnamigen Nationalpark. Der kleine Campingplatz im Ort ist einmalig. Inmitten eines wilden Baches, fühlt man sich schon sehr nah der Natur. 

Da es sich um einen Nationalpark handelt empfehlen wir dir, hier nicht frei mit dem Wohnmobil zu stehen oder zu campen. Schon aus Respekt vor der unglaublichen Natur. 

Mit dem Camper in der Natur freistehen

Diese kannst du übrigens mit einer kleinen Wanderung (10km) perfekt erkunden. Unabhängig von der Landschaft wird man hier auf wilde Pferde und Rinder stoßen. Auf Felsen, Schluchten und Wasserfälle. Es gibt noch einen Nationalpark, gleich nebenan. 

Montesinho ist unberührt und von einer Ursprünglichkeit, die seines gleichen sucht. Die Eichen und Kastanienwälder wirken undurchdringlich und eine Mystik liegt über der Landschaft. Alles wirkt so dem Ursprung nah. Die wenige CP`s sind alle gut ausgestattet und die Locals versorgen dich gerne mit Informationen über die schönsten Plätze.

Weiter südlich kommt die Sierra de Estrella. Eine hügelige Landschaft, in der im Winter auch mal Schnee liegt. Hier haben sich einige Expads niedergelassen. Hier sind die Bedingungen, trotz des kleinen rauen Winters ideal, um Perma-Kultur zu betreiben. Hier wird es im Sommer zwar auch heiß aber die Böden sind weitgehend fruchtbar. 

Zudem gibt es genug Quellen zur Bewässerung. Jedoch kann es hier im Sommer trotzdem zu Waldbränden kommen. Apropos Quellen: wenn du mal in einem winzigen Dorf eine Kelle am Brunnen siehst, dann kann man das Wasser trinken.

Surfen im Winter in Portugal

Von Peniche bis Lissabon entfaltet sich das erste große Surfrevier Portugals. Hier sind die Wellen oft rau wie die Küste. Peniche bietet Bedingungen für JEDEN.

Zwei Hauptstrände laden Anfänger und Fortgeschrittene zu einem Ritt auf der Welle ein. Es gibt genug Surfschulen und du kannst dir das Equipment direkt am Strand ausleihen. 

Surfen in Portugal im Winter

In den Surfschulen und auch manchmal in Bars, gibt es eine kostenlose Surfmap. Das Hosentaschen große Papierchen, ist ein super Leitfaden zu wirklich jedem (!) Strand an der Atlantikküste. Ob surfen, wandern oder biken; das Ding sollte in keiner Tasche fehlen!

Danach kommt Nazaré. Ein Kilometer langer Canyon unterhalb der Wasseroberfläche, lässt im Winter das Meer zu einer gigantischen Welle anschwellen. 

Bis zu dreißig Meter hoch sind dann die Brecher, die Steudtner und Co reiten. Nichts für Anfänger. Wer hier rein will, sollte mindestens vier Minuten die Luft anhalten können und schwimmen wie ein Fisch. 

Surfen in Portugal im Winter

Ein Freund von uns, Besitzer einer Surfschule, hat Jahre trainiert, um diese Wellen zu meistern. Die Riesenwellen kommen sporadisch, da Wind, Strömung und Tide sich in einem Einklang befinden müssen, um diese Wassermassen zu generieren. Im Januar, Februar und März sind die Wahrscheinlichkeiten für dich am höchsten, diesem Schauspiel beizuwohnen. 

Sollte der Platz am kleinen Leuchtturm von Nazaré überfüllt sein, geh die paar Schritte runter zur Praia do Norte. Hier kommen die Gladiatoren des Meeres nach ihrem Ritt mit der Welle, meist glücklich am Strand an. 

Weiter Richtung Portugals Süden

Ab Lissabon kannst du von überwintern sprechen. Hier sind die klimatischen Verhältnisse ideal, um der Kälte und dem Regen zu entkommen. Kurz nach der Vasco da Gama Brücke beginnt der Nationalpark mit ihrer Costa Vicentina. Das frei stehen ist hier verboten und das ist auch gut so. 

Soll doch diese Landschaft am Rand des Atlantiks soweit wie möglich im Einklang gehalten werden. Aber es wurden einige Stellplätze für schmale Mark errichtet. Zudem gibt es auch hier im Hinterland genug Möglichkeiten. Trotzdem kannst du hier an jedem Tag einen anderen Spot surfen oder wandern. 

Van steht an der Küste von Portugal

Die Küste ist so atemberaubend schön und einsam, das du dich verlieren kannst. Es gibt ausgewiesene Wanderwege und unberührte Strände. Wir empfehlen die Fischerpfade der Rota Vicentina. 

Verschieden Wege führen vom Norden (Porto Covo) bis zum westlichsten Punkt Europas, nach Cabo da Roca. In den kleinen Fischerdörfern gibt es immer eine Unterkunft oder ein uriges kleines Café, was zum rasten einlädt. 

Wenn du festes Schuhwerk dabei hast, dann finde Monte Clerigo. Hier kannst du bei Ebbe eine tolle Wanderung über mehrere Strände machen, die sonst von der Flut abgeschnitten sind. Zurück geht es dann am Rande von hohen Klippen. 

Algarve

Die beginnt mehr oder weniger in Aljezur und zieht sich runter bis Portimao. Vielleicht geht es noch weiter, aber hier geht es nicht um Bettenburgen und krebsrote Touries. Die genannte Küste ist voll von versteckten Surfspots und tollen Stränden. 

Strand in der Algarve Portugal

Sagres ist eine kleine Stadt, die sich auch dem Surftourismus ergeben hat. Hier gibt es Surfshops, kleine Cafés und Restaurants. 

Zwischen Sagres und Lagos kommt Vila do Bispo. Völlig unscheinbar. Durch den großen Supermarkt und das Waschhaus mit gratis Wasser, finden sich immer eine Menge Leute ein. Ein Gemüsemarkt bietet Bio-Gemüse einer deutschen Auswanderin. Ein kleines Café, rundet diesen Marktplatz ideal ab. 

Rund um Bispo gibt es zudem tolle Surf-Spots. Es gibt hier viele Auswanderer aus Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien. 

Lagos ist eine richtige Stadt. Mit Promenade und tollen Fischrestaurants. Du kannst in der Stadt essen, oder du fährst Richtung Bahnhof in den kleinen Yachthafen. Dort gibt es weit hinten ein verstecktes Restaurant direkt am Strand.  

Hier kannst du dir den „Bauch“ vollschlagen. Frischer geht es nicht, sieht man doch die Fischer und Angler den Fisch direkt in die kleine Küche der etwas rumpeligen Restaurants tragen. 

Alentejo

Der gebirgige Landstrich verläuft nördlich der Algarve. Das wunderschöne Monchique Gebirge, thront über den Stränden. Die kleine Stadt Monchique ist immer ein Abstecher wert. 

Hier gibt es Spezialitäten vom Porco Preto. Schinken und Würste dieser ursprünglichen Rasse, werden hier angeboten. Aber eben auch alles, was die schöne Landschaft an den Menschen abgibt. Toller Honig oder leckere Esskastanien. 

Die Berge von Alentejo in Portugal

Mit viel Glück, triffst du hier Robert und seine happy Donkeys. Ein Deutscher, der Touren mit seinen fünf Eseln durch diese tolle Landschaft anbietet. Ein Erlebnis, das dich in die Vergangenheit zurück katapultiert. Ruhe und Langsamkeit beginnen dich zu erfüllen.

Barragem

Um die Wasserabhängigkeit von Spanien in den Sechzigern zu entgehen, baute der damalige Präsident Zalazar sehr viele Staudämme. Die daraus resultierenden Stauseen, sind ein guter Ort zur Rast. Unbedingt solltest du den Santa-Clara Stausee besuchen. 

Santa Clara Stausee in Barragem

Dieser Ort war in den Achtzigern der Hippy Treff. Die Seele, der damals die Freiheit suchenden Menschen, ist immer noch zu spüren. Morgens steigt der Nebel von der Wasseroberfläche auf und nur die Ruhe guckt zu. Hier triffst du immer Reisende und kannst dich mit ihnen austauschen. 

Das Dorf, Santa-Clara de Velha, bietet für einen kleinen Obolus, eine heiße Duschen an. Frag einfach im Rathaus oder an der Tankstelle, und man wird dir den Weg zeigen. Auch hier haben sich eine Menge Expats niedergelassen, die dir mit Rat und Tat beiseite stehen.

Guru

Weiter geht es nach Sao Marthino das Amorairas. Ein Guru hat in diesem kleinen Dorf sein Aschram errichtet. Nach Voranmeldung kannst du diese kleine Gemeinschaft besuchen. 

Wir empfinden dieses kleine Dorf als sehr friedlich und gelassen. Die Einheimischen und die Anhänger, leben in einer wunderbaren Gemeinschaft. 

Die kleine Kirche ist oft Ort für Konzerte oder andere Veranstaltungen. Auf dem winzigen Dorfplatz gibt es einmal im Monat einen Flohmarkt. Hier kannst du portugiesische Antiquitäten oder Krimskrams erwerben aber auch regionale Produkte und Handarbeiten werden hier angeboten. Die Falafel sind ein Muss. 

Im Nirvana, dem Café/Restaurant im Ort, gibt es vegane Speisen, Kuchen, Tee oder auch Pizza. Eine unglaubliche Atmosphäre. Wasser gibt es aus der Quelle im Dorf. 

Klangschale

Hinter der Quelle sollte man auf Rauch und Duft achten. Einmal die Woche backt das Dorf selber. In einem niedrigen Raum steht dann eine alte Frau und schiebt Brote in das heiße Feuer. Es gibt nur eine Sorte Brot aber mehr brauchst du auch nicht. 

Trotz des Womo-Booms kann man sehr gut in Portugal mit dem Wohnmobil überwintern. 

Ob auf einem Campingplatz oder einem Stellplatz. Wenn man mit den Locals ins Gespräch kommt; ob Expats oder Einheimische; kann man auch oft privat stehen. Das bedeutet, auf einem Stückchen Land, vielleicht mit ein paar anderen. 

Es gibt unendlich viele Gemeinschaften und Zusammenkünfte, die dir eine Möglichkeit anbieten. Mal einfach nur so, mal hilft man beim Aufbau. Hier hast du die Möglichkeit, dich auszuprobieren und mal was anderes zu erleben. Ein kleines „Hallo“ in die sozialen Netzwerke, führt dich sehr schnell zu Angeboten und Möglichkeiten. 

Nichts ist schöner als an Weihnachten  auf deinem Board oder Badehandtuch zu liegen und an die Kälte im fernen Deutschland zu denken, solange einen die Sonne in der Nase kitzelt.

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