Aussteiger lebt 7 Jahre alleine im Wald – Die Geschichte von Marc Freukes

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Als Marc Freukes den kleinen Waldweg zu seinem Zuhause entlang geht, brechen ein paar Sonnenstrahlen durch das Blätterdach und das Laub raschelt unter seinen Füßen. Wir treffen den Aussteiger 2019 in seiner Hütte mitten im Wald, in welcher er seit 6 Jahren lebt. Doch wer sich jetzt einen bärtigen, langhaarigen Einsiedler vorstellt, liegt falsch.

Ein lässiges Jeanshemd offen über der Hose, ein gepflegter Dreitagebart und seine sportliche Figur fallen an dem 45-Jährigen als Erstes auf. Er nimmt ein Stück Holz von dem Stapel neben seiner Tür und hält es sich zwischen Oberlippe und Nase. „So teste ich, ob es noch feucht ist, oder schon gut durchgetrocknet“, erklärt er fachmännisch und feuert schließlich damit seinen Ofen an. Doch was bringt einen Mann im besten Alter dazu, alleine im Wald zu leben?

Marcs Vergangenheit

In seinen Zwanzigern beginnt Marc seine Karriere als Golflehrer. Er ist gut in dem, was er tut und schafft es sogar bis in die Erste Bundesliga. Fünfzehn Jahre lang lebt er für seinen Job, unterrichtet und arbeitet viel. Doch auf dem Zenit seiner Laufbahn trifft ihn plötzlich die Arbeitslosigkeit.

Er schreibt Bewerbungen, geht zum Arbeitsamt, aber findet keine neue Perspektive. Ihn plagen psychische Probleme. „Ich war nicht weit weg vom Burnout, war depressiv und konnte nachts nicht mehr schlafen. Mir ging‘s total dreckig“, erinnert sich der Aussteiger an die dunkelste Phase seines Lebens. Das einzige, was ihm in dieser Zeit hilft und ihm Kraft gibt, ist der Aufenthalt in der Natur.

Die Farben der Natur wirken sich positiv auf sein Befinden aus und die natürliche Umgebung gibt ihm ein Gefühl von Wohlsein und Zufriedenheit. „Wissenschaftler haben mittlerweile herausgefunden, dass Bäume Botenstoffe produzieren, die sich positiv auf unser Immunsystem auswirken“, weiß Marc. Für ihn strahlt die Natur Ruhe aus und war sein Retter in einer schwierigen Zeit.

Marc Fraukes lebt 7 Jahre allein im Wald

Der Neuanfang

“Ich sterbe lieber wie ein Indianer draußen im Wald, als dass ich am Burnout zugrunde gehe.” Marc beginnt über sein Leben nachzudenken und beschließt, es grundlegend zu verändern. Für ihn steht fest, dass er von nun an größtenteils draußen in der Natur sein und anderen Menschen etwas beibringen will, denn das Lehren liegt ihm im Blut.

Kurzerhand pachtet er ein Grundstück im Odenwald und baut sich dort sein Tipi drauf. Schlagartig geht es ihm besser. „Ich konnte dadurch draußen sein und hab das Ruder in die Hand genommen, denn ich hatte mir geschworen, dass ich nicht von Hartz 4 leben will.“ erinnert er sich.

Bett im Tipi von Marc Freukes

Beim Bau seines Zuhauses lernt er viel Neues und macht alles selbst. Das ist auch etwas, das er fortan in seinen Kursen für Menschen, die sich für die Natur und seine Lebensweise interessieren, weitergibt: „Durch das Selbermachen und Werkeln mit Holz und natürlichen Materialien kann man lernen, seine Selbstwirksamkeit zurückzugewinnen“, beschreibt Marc. Er weiß, dass dich Menschen mit Depressionen oft in ihrer Opferrolle gefangen sehen.

Dadurch, dass diese Menschen sehen, dass sie etwas mit ihren eigenen Händen erschaffen können und wieder in den Fluss kommen, können sie auch in anderen Bereichen wieder ins Handeln kommen.

Wie finanziert Marc seinen Lebensunterhalt?

Der Aussteiger hat mehrere Bücher* geschrieben, um jeden Tag seines neuen Lebens festzuhalten. Die Tagebücher vom Odenwald-Tipianer“* nehmen den Leser mit in das Leben im Wald und lassen ihn an Marcs Freukes Erlebnissen und persönlichen Gedanken und Gefühlen ungeschönt teilhaben. Doch auch ein Survival Handbuch mit den wichtigsten Techniken für Survival-Interessierte, Camper und Wanderer stammt aus seiner Feder und bringt ihm Einnahmen.

Seine Kurse sind eine weitere Einkommensquelle für den Survival-Experten. „Mehr als ein halbes Waldjahrzehnt haben mich gelehrt, was zählt, wenn man im Wald Zuhause sein möchte.“ Er weist seine Kursteilnehmer in die Kunst des Fliegenfischens und Feuermachens und in die Naturkunde ein. Er streift mit ihnen durch die Wälder, werkelt und entspannt. Die Kursteilnehmer erleben den Alltag im Freien hautnah und authentisch.

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Zuletzt generiert Marc außerdem Einnahmen durch Fernsehauftritte und Vorträge und kommt mit allem zusammen als Kleinunternehmer auf ca. 7.500 – 11.000 € Umsatz im Jahr. Marc ist sehr froh über seinen neuen Tätigkeitsbereich. Es geht ihm seelisch viel besser, er kann sich seine Zeit frei einteilen und ist sehr zufrieden mit dem, was er tut, berichtet er mit einem Lächeln im Gesicht.

Das Tipi im Wald

So gut wie alles in seinem runden Zuhause hat Marc selbst gemacht. Das gemütliche Tipi mit seinen vielen Naturmaterialien wirkt einladend und heimelig. Durch eine runde Öffnung dringt Sonnenlicht von oben in den Raum und taucht alles in ein warmes Licht. Auf ganze 18 Quadratmeter kommt das kleine Heim und ist für unter 3.000 € größtenteils aus nachwachsenden und natürlichen Materialien gebaut.

Ein kleiner selbstgebauter Ofen spendet wohlige Wärme und erhitzt zudem das Wasser zum Kochen und Waschen. Über dem Ofen befindet sich das Hochbett, sodass die Wärme des Feuers auch bei niedrigen Temperaturen für einen warmen Schlafplatz sorgt. Marc lehnt an der Leiter zu seinem Bett und überblickt sein Zuhause, während er aufzählt, was er alles selbstgebaut hat.

Marc Freukes mit seinem Tipi im Wald
Foto: Marc Freukes

Vom Schrank über die Couch bis hin zu allen Regalen und der Tür ist alles mit seinen eigenen Händen geschaffen worden. Auch die Elektroinstallation hat er alleine bewerkstelligt. „Ich habe zwei Solarpanele auf dem Dach, die mich mit Strom versorgen für alleine meine Geräte. Das funktioniert gut!“ berichtet er stolz.

Seine voll kompostierbare Trenntoilette befindet sich außerhalb der Hütte in einem kleinen Unterstand. Eine Dusche braucht Marc auch nicht, ihm reicht eine Schüssel mit warmem Wasser. Doch wo bewahrt er seine verderblichen Lebensmittel auf? Auch dafür hat Marc sich eine Lösung überlegt und holt mit einem Seilzug ein rundes mehrstufiges Regal aus einem Loch in der Erde. „Die Sachen haben dort unten 5 – 6 Grad“, berichtet er stolz.

Das Bauamt möchte seine Hütte übrigens am liebsten abreißen, wie Marc erzählt. Es befürchtet einen „Nachahmungseffekt“. Marc hat hierfür überhaupt kein Verständnis. „Ich verschwende 80 % weniger Ressourcen, brauche viel weniger Strom und komme mit 30 Liter Wasser fast zwei Wochen aus. Ich denke da gibt es Dinge, die man eher unterbinden sollte, als mich hier mit meiner Lebensweise.“

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Hat der Aussteiger alleine im Wald auch manchmal Angst?

Während seiner Jahre im Wald sind Marc Freukes schon einige unheimliche und unerklärliche Erlebnisse widerfahren.

Von lautem Lachen an dem Hexenplatz nahe seiner Hütte bis hin zu einem schweren Stein, der urplötzlich an einer anderen Stelle lag. Doch ein Erlebnis ist ihm besonders in Erinnerung geblieben: „Ich habe mal eine Gabel selber gemacht, mit zwei Zinken, die war dann plötzlich irgendwann verschwunden. Wochen später wachte ich nachts um 3 Uhr auf und diese Gabel lehnte an meinem Bett wie hingestellt. Es kann kein Mensch in meinem Tipi gewesen sein, weil mein Hund bei mir war und sie bellt, wenn jemand reinkommt. Und die Gabel kann auch nirgendwo heruntergefallen sein und als ich ins Bett gegangen bin, lehnte sie auch nicht dort“, berichtet der Aussteiger und hat auch selbst bis heute keine Erklärung dafür.

„Es gibt komische Sachen in der Natur, aber für mich waren sie niemals böse oder bedrohlich“, fährt er fort. „Ich hatte eher immer den Eindruck, als wenn die Natur zeigen will: Du kannst uns zwar nicht sehen, wir sind aber da und machen uns auf unsere Weise bemerkbar.“

Marc Freukes hackt Holz im Wald

Die Jahre in der Natur haben Marc Freukes nachhaltig verändert. Wenn er mit Naturmaterialien arbeitet, sieht er sich selbst in diesen Dingen. „Dadurch, dass Dinge in der Natur nicht gerade und steril sind, sondern geschwungen und natürlich, sehe ich dieses auch bei mir selbst. Es hilft mir, auch bei mir zu erkennen, dass ich nicht perfekt sein muss und so kann ich leichter akzeptieren, dass auch das ein Teil von mir ist, wie alles andere auch.“

Doch dann kommt plötzlich alles anders…

Die Jurte muss weg!

Im Sommer 2020 nimmt Marcs Kampf mit den Behörden eine traurige Wendung. Nachdem er schon diverse Drohungen und Zwangsgelder erhalten hat, soll nun seine Jurte endgültig abgerissen werden. Das Bauen im Außenbereich ist laut Gesetz nicht erlaubt und somit kann eine Privatperson ohne Baugenehmigung nicht einfach eine Behausung auf ein Grundstück bauen.

Das Tipi von Marc Freukes

Die Stadt rückt also eines Tages mit Baggern und Containern an und ist bereit, Marcs Zuhause abzureißen. Alle Verhandlungen mit den zuständigen Behörden sind vergebens, sodass Marc im Oktober 2020 seine Jurte schließlich abbaut und seinem Plätzchen im Wald Lebewohl sagt. Doch Marc will nicht aufgeben. „Ich bin Sternzeichen Stier, ich bin rebellisch. Und wenn meine Jurte abgerissen wird, wird sie wieder aufgebaut“ sagte er noch vor seinem Wegzug mit trauriger Entschlossenheit.

Wie geht es Marc Freukes heute?

Eine Weile wurde es still um den „Odenwald Tipianer“. Der Kampf mit den Behörden und der Verlust seines Zuhauses hatten ihn hart getroffen. „Was wurde aus Marc Freukes?“, fragten sich seine Anhänger und alle, die seinen Werdegang in den letzten Jahren verfolgt hatten. Viele rieten ihm, ins Ausland zu gehen, da dort meist nicht so strenge Bauvorschriften gelten wie in Deutschland.

Doch das kam für Marc nicht in Frage. „Deutschland ist meine Heimat. Ich weiß, dass das Baurecht in manchen Ländern besser ist, aber dafür sind andere Sachen schlecht“, fasst er seine Entscheidung zusammen. „Das Paradies gibt es auf der Erde nicht.“

Marc Fraukes lebt 7 Jahre allein im Wald

Schließlich entscheidet der Aussteiger, dass er nun noch minimalistischer leben will und beginnt mit dem Bau eines Bauwagens, der knapp 15qm Grundfläche bieten soll. Aufstellen darf er ihn auf einem abgezäunten Privatgrundstück. Sein neues Zuhause richtet er sich ebenso gemütlich ein, wie seine Jurte es einstmals war. Der alte Ofen ist noch immer das Kernstück seines Wohnbereichs, der 7,5qm misst.

Die gleiche Fläche steht ihm noch einmal oben als Schlafbereich zur Verfügung. Marc ist froh, jetzt einen Ort gefunden zu haben, an dem er sein darf, ohne Angst haben zu müssen, dass er wieder verscheucht wird. Er ist an seinem neuen Zuhause angekommen und glücklicher denn je, wie er sagt. „Ich wünsche mir für mich in erster Linie, dass ich gesund bleibe und, dass ich in Ruhe gelassen werde.“

Wir wünschen Marc Freukes alles Gute und, dass ihn sein minimalistisches Leben in der Natur weiterhin glücklich und zufrieden macht.

Wer auch einmal den Alltag im Freien erleben und Marcs Lebensweise kennenlernen möchte, findet alle Informationen zu seinen Kursen auf seiner Homepage www.wildniskurs.de

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1 Kommentar

  1. Armin

    Schön

    Antworten

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