Timo radelt ans Nordkap – “Ich will mittendrin sein”

Timo radelt ans Nordkap – “Ich will mittendrin sein”

24. Juni 2021 Reisen 0
Peace Love Om Radeln ans Nordkap

 

Ein Fahrrad, fünf Taschen und ein knapp 4000 Kilometer entferntes Ziel vor Augen. So beginnt für Timo ein Abenteuer, das eine körperliche wie mentale Herausforderung ist: er radelts an Nordkap. Von Süddeutschland, nahe Freiburg im Breisgau, startete er Richtung Nordkap, ohne je zuvor eine mehrtätige Fahrradtour gemacht zu haben. Sein Motto der Reise: möglichst nachhaltig unterwegs sein und gleichzeitig die Tour in vollen Zügen genießen.

 

Von der spontanen Idee zur Umsetzung

 

„Einfach machen“, das ist einer der Sätze, den Timo oft benutzt. Auch für die Entscheidung zu seiner Radreise ist der Satz ausschlaggebend. „Meine Freundin macht gerade ein Auslandssemester in Schweden und wir konnten uns dadurch lange Zeit nicht sehen. Weil ich mich schon lange mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftige und nicht fliegen wollte, kam ich aus Spaß auf die ursprünglich nicht wirklich ernstgemeinte Idee, CO2-neutral mit dem Fahrrad nach Schweden zu fahren“, erzählt er, denn er wollte schon immer mal nach Schweden und auch ans Nordkap.
Aus diesem scheinbar blöden Spruch, einer spontanen Schnapsidee, wird dann durch einige Fügungen Realität. „Die erste Idee hatten wir im Sommer 2020 als ich mit meiner Freundin über ihr Auslandssemester gesprochen habe. Rund um den Jahreswechsel haben wir uns wiedergesehen und noch einmal ernsthaft darüber nachgedacht und als dann im Februar mein Arbeitsvertrag auslief und es zeitlich so gut passte, habe ich mit den Vorbereitungen angefangen“, erinnert er sich. Allerdings zieht sich auch die Zeit vom Beginn der Vorbereitungen bis zur Abfahrt noch eine Weile. Da er noch einen LKW-Führerschein macht und privat einige Dinge zu regeln hat, „bin ich dann später los als mir lieb gewesen wäre“, sagt er. Bis zum Beginn seiner Radreise wird es Anfang Mai.

 

Minimalistisches, nachhaltiges Gepäck als Devise

 

Schon zu Beginn seiner Vorbereitungen ist für Timo klar, dass er auf Minimalismus und Nachhaltigkeit setzen will. Deswegen verzichtet er bewusst auf den Kauf von viel neuem Equipment und einem teuren Reiserad. „Dadurch, dass ich viel wandern gehe, hatte ich schon einiges an Ausrüstung und weil ich früher viel Rad gefahren bin, hatte ich schon ein einigermaßen brauchbares Mountainbike, das ich mir für die Reise umgebaut habe“, erzählt er. Bei allem weiteren Equipment achtete er darauf, dass das Material nicht nur die Reise, sondern auch einige weitere Abenteuer überdauern wird. Die meiste Arbeitszeit nimmt dabei der Umbau des Fahrrads ein, den er, wie seine komplette Reise auch, auf seinem Blog und auf Instagram per Video dokumentiert. „Ich habe andere Reifen und Griffe, einen gemütlicheren Sattel und Gepäckträger verbaut“, zählt er auf. Die Entscheidung, sich kein neues Reiserad anzuschaffen ist für ihn schon früh klar. „Ich hatte noch mein Mountainbike und kein Geld für ein neues und für diese Reise ist mein Rad gut genug“, sagt Timo. Statt also in ein neues Rad zu investieren, entscheidet er sich, „das zu nutzen, was ich habe und für meine Bedürfnisse anzupassen.“

 

Peace Love Om Timo radelt ans Nordkap See

Bei seinem weiteren Equipment setzt er auf Minimalismus. „Wenn man schon einige Touren gemacht hat, weiß man, dass man oft viel zu viel dabei hat“, spricht Timo aus Erfahrung. Zwar hat er jetzt auf dem Fahrrad die Möglichkeit, mehr mitzunehmen als zu Fuß, „trotzdem muss man Maß und Ziel finden“, sagt er. An Luxusgegenständen hat er nur ein gutes Kopfkissen dabei. Ansonsten beschränkt sich sein Gepäck auf fünf Taschen, die gefüllt sind mit Kleidung, Hygiene- und Erste-Hilfe-Artikeln, Werkzeug und Ersatzteilen, Kochzubehör, Lebensmitteln und Wasser. „Bei so einer Reise muss man zwangsläufig auf Minimalismus setzen und sich bei allen Dingen fragen: brauche ich das wirklich?“, sagt er.

 

Die ersten Meter

 

Anfang Mai ist es dann soweit. Die Vorbereitungen sind fertig und an einem bewölkten Freitag rollt Timo mit seinem gut bepackten Rad vom Haus seiner Eltern los in Richtung Rhein, Richtung Norden. „Ich wollte, wenn überhaupt, direkt zuhause losfahren“, erzählt er. Denn wenn die Reise schon CO2-neutral sein soll, dann auch vollständig.
Schon in der Vorbereitung stellt ihn die Routenplanung allerdings vor Probleme. „Mir war von vorneherein klar, dass ich nicht alles durchplanen kann, beziehungsweise, dass nicht alles so funktionieren wird, wie ich es plane“, sagt er. Sein grober Plan: den Europäischen Fernradwegen folgen. „Das hat sich anfangs in Deutschland bewährt, aber irgendwann waren keine Schilder mehr da“, erzählt Timo. Ein weiteres Problem: keine der existierenden Karten- oder Radwege-Apps entspricht vollständig seinen Bedürfnissen, weswegen er gleich mehrere verschiedene gleichzeitig nutzt. Anfangs ist er oft genervt von diesen technischen Problemen, nach einigen Wochen sieht er es aber anders: „Herausforderungen sind auf der Reise Standard, aber das ist der Unterschied zwischen Urlaub und Reise.“

 

Auf dem Weg nach Norden

 

Den Weg durch Deutschland schafft Timo in nur drei Wochen. Während er tagsüber in die Pedale tritt, schreibt er abends seine Erlebnisse auf und teilt sie auf seinem Blog und Instagram. So geht es Tag für Tag. „Ich plane meistens nur einen bis zwei Tage im Voraus, weil es meistens doch anders kommt“, berichtet er. Die Gewöhnung ist nicht leicht – „wir leben halt in einer Welt, in der alles strukturiert ist und nach Plan läuft“, sagt Timo.
Jeden Abend sucht er sich einen Schlafplatz, am liebsten in kleinen Schutzhütten, damit er sein Zelt nicht aufschlagen muss. Nachdem er schließlich in Schweden ankommt, muss er doch jede Nacht im Zelt schlafen. „Hier sind viel zu viele Mücken“, erzählt er. Ein Vorteil, den er in Schweden zu schätzen weiß: die gut ausgebauten Radwege.

 

Peace Love Om Timo radelt ans Nordkap Camping

 

Keine Reise ohne Herausforderungen

 

Auf seinem Blog berichtet Timo nicht nur über die schönen Momente seiner Radreise, sondern auch über die Herausforderungen, die ihm begegnen. Angefangen mit der Routenplanung über schlechte Radwege geht es weiter mit der Suche nach Trinkwasser und geeigneten Schlafplätzen. Es passiert nicht selten, dass er bis spät in den Abend hinein radelt, um eine Stelle zum Schlafen zu finden.
„Das schlimmste bisher war, dass ich krank geworden bin, vermutlich eine Lebensmittelvergiftung“, erzählt Timo. An dem Abend ist er alleine an einer Schutzhütte im Wald und verbringt eine schlaflose Nacht. „Meine Freundin hat mir dann geholfen, eine Unterkunft zu finden, wo ich mich auskuriert habe“, berichtet er.
Auch sein Fahrrad hat die bisherige Reise nicht ganz unbeschadet mitgemacht. Nach 1580 Kilometern im ersten Monat ist das Tretlager defekt und die Reparatur komplizierter als gedacht.

 

Die schönen Momente

 

Trotz der vielen Herausforderungen sind es für Timo aber die schönen Momente, die auf seiner Radreise überwiegen. „Am schönsten war nach mehreren Monaten das Wiedersehen mit meiner Freundin in Malmö“, erzählt er.
Die Radreise selbst „macht Spaß“, fasst er knapp zusammen. „Ich habe schon einige interessante Menschen getroffen und wirklich atemberaubende Natur gesehen“, geht er dann mehr ins Detail. Seit er in Schweden unterwegs ist, schwärmt er von den riesigen Wäldern, traumhaften Radwegen und klaren Seen. „Das ist es, was die Reise für mich ausmacht: immer neue Orte entdecken und Neues erleben“, sagt Timo.

 

Peace Love Om Timo radelt ans Nordkap

 

Die nächsten Etappen

 

Nach einigen Ruhetagen in Malmö steigt Timo wieder auf sein Rad. Geplant ist, bis Mittelschweden zu radeln. „Da werde ich mich dann wieder mit meiner Freundin treffen und wir radeln gemeinsam weiter“, erzählt er. Einen konkreten Zeitplan gibt es nicht. Da die norwegische Grenze noch geschlossen ist, ist die Einreise aktuell noch ungewiss. Allerdings eilt seine Rückkehr nach Deutschland nicht. Gerade steht eher der Genuss der Reise im Vordergrund. „Natürlich ist es typabhängig, ob man so eine Reise mag, oder eben nicht“, sagt Timo. Man müsse etwas für die Natur übrig haben, damit klarkommen, sich mit sich selbst auseinander zu setzen, an seine körperlichen und psychischen Grenzen zu gehen und auf Komfort zu verzichten. „Für mich ist es so, dass ich alles selber entdecken und selber erleben möchte, ich will mittendrin sein“, fasst er zusammen. Die Reise ist für ihn Urlaub und Abenteuer, und schon mehrfach hat er sich ertappt, über die nächste Reise nachzudenken. Erstmal steht aber das Nordkap auf dem Plan.
Was genau Timo gerade erlebt, könnt ihr auf 1fachraus.de nachlesen oder auf Instagram verfolgen.

Ein weiterer Bericht über die Reise folgt.

 

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